Tram Region Bern: Auf alle Fälle teurer als 495 Millionen

Bei 495 Millionen Franken wird es nicht bleiben: Anstelle der Buslinie 10 ein Tram zu bauen, wird allein deshalb mehr kosten, weil in den Berechnungen die Mehrwertsteuer fehlt.

Tram region Bern: Die Strecke. Bild: Grafik BZ

Tram region Bern: Die Strecke. Bild: Grafik BZ

Der Preis, den die Verantwortlichen bislang für das Tram Region Bern genannt haben, ist zu tief. Das lässt sich aus dem Medientermin ableiten, zu dem die Ostermundiger Behörden am Mittwoch einluden. Dabei unterstrichen sie nicht nur die Wichtigkeit des Projekts, sondern machten mit Blick auf die anstehende Debatte im Ortsparlament vor allem deutlich: Das Parlament und später auch die Stimmberechtigten werden über einen Gemeindebeitrag von 27,9 Millionen Franken befinden.

Wenigstens, das sagten die Behörden auch noch, sind in diesem Betrag bereits die 8 Mehrwertsteuerprozent inbegriffen. Genauso wie die Kosten, die mit dem geplanten Ausbau der Bahnhofunterführung zum grossen Knotenpunkt für den öffentlichen Verkehr anfallen.

Die psychologische Grenze
Noch im letzten Sommer rechneten die Trampromotoren um Regierungsrätin Barbara Egger (SP) ganz anders. Und begründeten ausführlich, wieso das Tram Region Bern plötzlich nicht mehr wie bisher geschätzte 550, sondern nur noch 495 Millionen Franken kosten sollte: Mit diesem Betrag wolle man darstellen, wie teuer der reine Ersatz der heutigen Buslinie 10 durch ein Tram werde. Kosten für Zusatzprojekte, die wie der ÖV-Knotenpunkt in Ostermundigen auch Partnern wie den SBB zugutekämen, hätten daher in der Vorlage nichts zu suchen.

Kaum beachtet blieb, dass in den 495 Millionen nicht einmal die Mehrwertsteuer inbegriffen war. Sonst wäre die Kritik auf die komplizierte, nicht automatisch schlüssige Rechnerei wohl noch lauter geworden. Schon so mussten sich die Promotoren vorhalten lassen, sie hätten die Kosten bewusst auf die psychologisch so wichtige 0,5-Milliarden-Grenze gedrückt.

Projektleiter Ulrich Seewer wies solche Unterstellungen immer zurück, betonte, es sei reiner Zufall, dass die 495 Millionen knapp unter die magische Grenze gefallen seien. Auch heute betont er, dass die Berechnungen gängigen Standards entsprächen, und er tut dies gerade mit Blick auf das Fehlen der Mehrwertsteuer: Bei grossen, über Jahre hinweg entwickelten Bauprojekten sei es üblich, die Kosten ohne die Steuer auszuweisen. Weil der Mehrwertsteuersatz in so langer Zeit durchaus ändern könne.

Mal mit, mal ohne Steuer
Klarer wird die Sache trotzdem nicht, und ein Blick auf die Internetseite der Trampromotoren macht die Verwirrung komplett. Zuerst ist hier wieder von einer Gesamtsumme von 495 Millionen die Rede, später wird aufgelistet, wer daran welchen Anteil leistet: Bund und Kanton übernehmen 364 Millionen, auf Köniz entfallen 18,3 Millionen, auf die Stadt Bern 54,6 Millionen – und auf Ostermundigen eben 27,9 Millionen.

Nur zu dumm, dass die erste Zahl ohne Mehrwertsteuer gerechnet ist, in der zweiten, dritten und vierten Zahl dagegen die Mehrwertsteuer und sogar noch Zusatzprojekte wie der ÖV-Knotenpunkt enthalten sind. Bei weiteren Beteiligten fehlen die Zahlen sogar ganz, und so muss, wer zu einem halbwegs verlässlichen Betrag kommen will, zum Taschenrechner greifen. Und stellt fest: Allein die Mehrwertsteuer wird das Tram auf über 530 Millionen verteuern.

Quelle: Stephan Künzi, Berner Zeitung

Kosten, Politik, Tram Region Bern

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