Das Postauto im XXL-Format

Ab heute Montag hängt der Postauto-Chauffeur in Düdingen einfach den Anhänger an: Die Postautobetriebe suchen neue Mittel und Wege, um die Stosszeiten zu bewältigen.

23 Meter lang und in voller Fahrt auf den Kreisel zu: Das Postauto und sein Anhänger bei den Schnupperfahrten in Düdingen. Bild: Iris Andermatt

23 Meter lang und in voller Fahrt auf den Kreisel zu: Das Postauto und sein Anhänger bei den Schnupperfahrten in Düdingen. Bild: Iris Andermatt

Die erste Bewährungsprobe steht bereits nach ein paar Metern an. Eine enge Kurve und dazu eine Schwelle in der Fahrbahn, ob das Postauto die Hürden in gewohnter Manier meistern wird?

Nicht irgendein Postauto ist an diesem Nachmittag in Düdingen unterwegs, sondern eines der Grösse XXL. 23 Meter lang ist es. Es besteht nicht aus einem Fahrzeug allein. Für einmal zieht der gelbe Bus einen Anhänger hinter sich her – und tatsächlich bleibt die Fahrt trotz Kurve und Schwelle auch in diesem hinteren Teil des Gespanns ruhig. Kein starkes Schwanken ist auszumachen, geschweige denn ein Schlingern.

Zugbus nennen die Postautobetriebe das zweiteilige Gespann, das sie mit öffentlichen Schnupperfahrten den Düdingerinnen und Düdingern vorstellen.

Ab heute fahrplanmässig

Von heute Montag an steht die XXL-Variante des Postautos fahrplanmässig im Einsatz. Immer, wenn auf der Linie nach Bösingen und Laupen viele Pendler und Schüler gleichzeitig unterwegs sind, hängt der Chauffeur kurzerhand den Anhänger an sein Postauto. Zu den 36 Sitz- und 56 Stehplätzen des Zugfahrzeugs kommen so nochmals 27 Sitz- und 44 Stehplätze dazu. Alles in allem kann er nun 163 Passagiere mitnehmen. Das sind sogar mehr, als wenn er mit einem Gelenkbus unterwegs wäre.

Auch am Frienisberg möglich

Kein Wunder, lobt Postauto-Regionalchef Carlo Degelo den Anhänger als ideale, kostengünstige Lösung für Linien mit markanten Spitzenbelastungen. Weil er das zweite Fahrzeug mit dem zweiten Chauffeur überflüssig macht, das bislang zu den Stosszeiten einzelne Kurse verstärkte. Und weil er ebenso rasch abgehängt und weggestellt ist, wenn die Nachfrage wieder kleiner ist und das normale Postauto allein ausreicht.

Zum Einsatz kommen wird der Anhänger bei jenen Kursen, die um 6.52 Uhr, 7.52 Uhr und 13.22 Uhr in Laupen sowie um 12 Uhr und 15.50 Uhr in Düdingen losfahren. Als Pilotversuch, der zunächst einmal auf zwei Jahre angelegt ist – vor diesem Hintergrund werden die Postautobetriebe das Gespann aus Zugfahrzeug und Anhänger vorderhand nur mieten.

Laut Degelo könnte der Anhänger früher oder später auch anderswo in der Region Bern zum Einsatz kommen. Allem voran auf den Linien im Raum Frienisberg, die ähnlich grosse Schwankungen mit starken Spitzen und schwächeren Zwischenzeiten zu bewältigen haben. Dass für den Pilotversuch die Linie von Düdingen nach Bösingen und Laupen ausgewählt worden sei, habe auch diesen Grund, erklärt er: «Die Infrastruktur stimmt hier.»

Immerhin muss der Wagen in den Zeiten, in denen er nicht zum Einsatz kommt, irgendwo abgestellt werden können. In Düdingen ist dieser Platz vorhanden, in Bern dagegen zurzeit nicht. Im dortigen Postautobahnhof sind die Platzverhältnisse wegen der Bauarbeiten am neuen Post-Parc ohnehin schon eng.

Den Kreisel gemeistert

Auf der Schnupperfahrt hat das XXL-Postauto mittlerweile im Kreisel von Kleinbösingen gewendet. Wieder ist das Manöver ruhig verlaufen, immer mehr setzt sich bei den Passagieren im Anhänger die Erkenntnis durch, dass das Fahrgefühl kaum anders ist als in einem gewöhnlichen Postauto. Wieso sollte es auch, immerhin werden auch im Anhänger die Achsen einzeln gelenkt.

Quelle: Berner Zeitung; Stephan Künzi (Text) und Iris Andermatt (Bild)

 

Bau-Technisches, Verkehr

1 comment


  1. K.Hoffmann

    Solche Kombinationen (2-Achs-Trolley mit Anhänger) bewähren sich seit Jahren in LAUSANNE. Wenn weniger Platzbedarf gefragt ist, einfach den Anhänger im Depot stehenlassen.

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