Tramstadt soll Richtung Länggasse wachsen

Bern – Heute Dienstag fällt der Entscheid, ob und wo in der Innenstadt eine zweite Tramachse gebaut wird. Die Verkehrsplaner klären aber schon ab, welches Potenzial Tramlinien in die Länggasse und ins Wylerquartier hätten.

Das Tram Bern-West fährt, das Tram Region Bern ist geplant – und bereits diskutieren die Verkehrsplaner über ein Tram Länggasse und ein Tram Wyler: Schritt für Schritt soll die Stadt Bern wieder zur absoluten Tramstadt werden, die sie einst war. Zwölf Linien führten 1930 durch Bern, heute sind es fünf. Das Tram Region Bern wäre die sechste Linie – und nicht die letzte, wenn die Ideen der Verkehrsplaner umgesetzt und finanziert werden können.

Bis 1959 fuhren Trams durch die Länggasse. Im Bild ein Tram, das gerade bei der Endstation in der hinteren Länggasse gewendet hat. Bild:zvg

Zurzeit wird das Regionale Tramkonzept weiterentwickelt, Ende Jahr sollen die Ideen vorgestellt werden. Aus Sicht der Region Bern wird es mit Priorität um das Potenzial von Tramlinien in die Länggasse und ins Wylerquartier gehen, sagt Marco Rupp von der Regionalkonferenz Bern-Mittelland. Er ist für das Tramkonzept zuständig. «Ich hoffe, dass der Nutzen eines Wyler-Trams bestätigt wird», sagt die städtische Verkehrsdirektorin Regula Rytz (GB). «In Wankdorf City entstehen viele Arbeitsplätze, eine gute Anknüpfung an den öffentlichen Verkehr ist wichtig.»

Studenten, Gewerbeschüler
Laut Rupp besteht in der Länggasse und im Wyler aufgrund des Passagierandrangs mit Abstand das grösste Potenzial für eine Umstellung auf Trams. Auch eine Durchmesserlinie Länggasse– Wyler ist vorstellbar. In beiden Quartieren liegen Ausbildungsstätten, die für viele Passagiere sorgen: die Universität und die Gewerbeschule. Trams könnten das hohe Passagieraufkommen besser bewältigen. Rytz bezeichnet sie gar als «städtisches Verkehrsmittel des dritten Jahrtausends». In beiden Quartieren lagen übrigens schon einmal Gleise. Von 1894 bis 1959 fuhren Trams durch die Länggasse. Über das Wylerquartier und den Nordring verkehrten bis 1941 Züge Richtung Stadt. Dann wurde das Trassee durch den Lorraineviadukt ersetzt.

Ob und wann dereinst Trams in die Länggasse und ins Wylerquartier fahren, hängt von politischen Entscheiden und insbesondere von der Finanzierung ab. Kanton, Gemeinden und Verbände müssten daher gut eingebunden sein, sagt Rupp. Er betont, wie wichtig es sei, die Abklärungen jetzt zu treffen.

Heute Dienstag etwa informieren Stadt und Kanton Bern darüber, ob und wo in der Innenstadt eine zweite Tramachse gebaut wird. «Dieser Entscheid muss nun fallen – unabhängig von weiteren möglichen Linien.» Aber natürlich schaffe ein solcher Entscheid wiederum Voraussetzungen für die Zukunft. «Es braucht in der Planung einfach einen logischen Ablauf, damit nicht alles alle fünf Jahre auf den Kopf gestellt werden muss», so Rupp. Seine Aufgabe ist es deshalb, im Tramkonzept einen «Zustand 2030» zu koordinieren. Dabei werden auch bestehende Strecken überprüft. Auf dem Fischermätteli-Ast stehen etwa Sanierungen an, das Weissenbühl-Tram könnte durch einen Bus ersetzt werden.

Wachstum im Osten Berns?
Unsicherheiten gibt es bei den Tramlinien in Berns Osten. Wird die Autobahn dort dereinst überbaut, entsteht neue Wohnfläche. «Dies hätte natürlich Einfluss auf das Angebot im öffentlichen Verkehr», sagt Rupp.

Quelle: Wolf Röcken, Berner Zeitung

Allgemein, Politik, Tram Region Bern

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