Kosten als grösster Haken

Die besseren Busverbindungen gibt es nicht gratis. Der Kosten wegen dürfe man denn auch «nicht beliebig ausbauen», sagt Nidaus Stadtpräsidentin Sandra Hess (FDP).

Je mehr Busse auf ihrem Gebiet verkehren, umso tiefer müssen die Gemeinden und der Kanton in die Taschen greifen. Der öffentliche Verkehr wird zu zwei Dritteln vom Kanton und zu einem Drittel von den Gemeinden finanziert. Die Kosten des ÖV-Ausbaus, der mit dem Buskonzept Biel nach 2020 einhergeht, dürfte bei den betroffenen Gemeinden denn auch am meisten zu reden geben. Das glaubt Pierre Pestalozzi, Geschäftsführer der Regionalen Verkehrskonferenz Seeland-Biel-Berner Jura, unter dessen Federführung das Konzept erarbeitet wurde. «Inhaltlich besteht grösstenteils Konsens. Jetzt stellt sich noch die Frage, ob der Ausbau auch finanzierbar ist.» Was natürlich auch für den Kanton gelte.

Eine Million Franken mehr für Biel

Auf die Stadt Biel kommen laut Stadtpräsident Erich Fehr (SP) nach 2020 jährliche Mehrkosten von rund einer Million Franken zu. «Wir müssen uns den Ausbau leisten», sagt Fehr. Ansonsten werde der Autoverkehr nach der Eröffnung des A5-Ostastes teilweise zum Erliegen kommen. «Wir können nicht in einer ständig wachsenden Agglomeration den öffentlichen Verkehr auf dem Zustand von 1997 belassen.» Er fordert deshalb auch die Agglomerationsgemeinden auf, die Netzstruktur gutzuheissen.

Bereits getan hat dies die Einwohnergemeinde Brügg. «Wir haben das Buskonzept mit Genugtuung zur Kenntnis genommen», sagt Gemeindeschreiber Beat Heuer. Man habe in der Stellungnahme an die regionale Verkehrskonferenz beantragt, das Konzept in seiner jetzigen Form «durchzuwinken».

Zusätzliche Kosten, die für die Gemeinde Brügg entstehen würden, nehme man in Kauf, sagt Heuer. Dies aus mehreren Gründen. Brügg würde künftig ganztägig mit zwei Linien statt mit einer erschlossen – und die Taktdichte würde erhöht. Kommt hinzu, dass, so Heuer, auch die direkten Verbindungen für Brügg attraktiver würden: Vorgesehen ist die Buslinie 7, die vom Bahnhof Brügg über das Stadtzentrum ins Bözingenfeld führt und die Linie 4, die das Brüggmoos, wie heute, direkt mit der Goldgrube verbindet. Eine direkte Verbindung über die neue Autobahn von Brügg ins Bözingenfeld komplettiert die Neuerungen für die Agglomerationsgemeinde (siehe Text links).

Grundsätzlich positiv steht man dem Konzept auch in Port gegenüber. Man habe aber im Zuge der Stellungnahme einige Vorbehalte, vor allem im Bezug auf die Linienführung, geäussert, sagt Gemeinderat Simon Loosli (SVP).

«Können nicht beliebig ausbauen»

Erst morgen behandelt der Nidauer Gemeinderat das Buskonzept 2020. Man habe für die Stellungnahme eine Fristverlängerung beantragt, sagt Stadtpräsidentin Sandra Hess (FDP). «Ein gut ausgebauter öffentlicher Verkehr ist für Nidau wichtig», sagt sie, «doch auch der Kostenpunkt darf nicht vernachlässigt werden.» Laut dem Konzept würden neu zwei Buslinien der Verkehrsbetriebe Biel (VB) durch das Stedtli führen (Linie 4 und 5). Dazu käme die Erschliessung des Quartiers Burgerbeunden. «Wir müssen im Auge behalten, dass jede zusätzliche Haltestelle mit Kosten verbunden ist. Wir können nicht beliebig ausbauen.»

Fehr weiss um die Bedenken wegen der Mehrkosten, warnt jedoch davor, aus Angst davor die geplanten Linien abzulehnen. «Wir sollten nicht am nun vorgelegten Linienkonzept rütteln, sondern sonst halt die Taktintervalle nur schrittweise erhöhen.» Denn in seinen Augen legt das neue Linienkonzept den Grundstein für eine gute Erschliessung der Quartiere in Biel und Umgebung. Deshalb sei es sinnvoller, die Änderungen im Grundsatz zu beschliessen, aber unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten etappiert umzusetzen. Denn es brauche nicht bereits nächstes Jahr auf allen Linien mehr Busse. «Das ist ein langfristiges Konzept.»

Quelle: Bieler Tagblatt (jl/lsg)

Bau-Technisches, Kosten, Politik, Verkehr

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