Bieler Regiotram wird nun doch nicht gebaut

Nach 4,5 Millionen Franken Planungskosten und acht Jahren Vorlauf wird das Projekt aufgegeben – zumindest vorläufig.

Das geplante Regiotram in der Bahnhofstrasse.

Das geplante Regiotram in der Bahnhofstrasse.

Tramprojekte haben derzeit im Kanton Bern einen schweren Stand: Nachdem vergangenen Herbst das Tram Region Bern an der Urne gescheitert ist, wird nun auch das Bieler Regiotram zumindest vorläufig aufgegeben. «Die Behördendelegation hat beschlossen, die weiteren Planungsarbeiten zu sistieren», teilte die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion gestern mit. Aus «verkehrs- und finanzpolitischen sowie städtebaulichen» Gründen sei eine rasche Umsetzung nicht realistisch. Behördendelegation sowie Projektorganisation werden deshalb aufgelöst.

Es sei «an sich schade», dass nun doch kein Tram gebaut werde, sagt Erich Fehr (SP). «Das Regiotram hätte die Entwicklung der Agglomeration Biel stimuliert», so der Stadtpräsident. Er sei aber «Realist genug», um zu wissen, dass das Projekt derzeit nicht mehrheitsfähig sei. «Wir haben zwar Verkehrsprobleme in Biel. Diese sind aber noch nicht so gross, dass sie gerade in der derzeit sehr angespannten finanziellen Lage zu einer genügend breiten Allianz für ein Regiotram geführt hätten.» Fehr macht aber auch keinen Hehl daraus, dass das Projekt zum Beispiel bei der Linienführung noch Mängel aufweise.

Für Adrian Dillier war der Sistierungsentscheid längst überfällig. «Das Vorhaben hätte vor dem Volk nicht die geringste Chance», sagt der Präsident der SVP Biel. Spätestens seit der Umbau des Bieler Bahnhofplatzes abgelehnt worden sei, wisse man, dass solche «Ideologieprojekte» bei der Bevölkerung nicht hoch im Kurs stünden. Seit 2012 führt die SVP die Opposition gegen das Projekt an. Aus ihrer Sicht ist das Regio­tram weder notwendig noch finanzierbar. Ohne Rollmaterial hätte es über 300 Millionen Franken gekostet. Einen grossen Teil davon hätten Kanton und Bund übernommen.

Laut Projektleiter Christian Aebi vom Amt für öffentlichen Verkehr wurden bisher 4,5 Millionen Franken für die Planung des Regiotrams ausgegeben. Die direkt beteiligten Gemeinden hätten 900’000 Franken investiert, der Kanton 2,4 Millionen, und aus dem Topf, in den alle bernischen Gemeinden einzahlen, stammten 1,2 Millionen Franken.

Die längste Tramlinie des Kantons

Mit 27 Kilometern wäre das Regiotram die längste Tramlinie des Kantons geworden. Die bestehende Schmalspurstrecke von Ins zum Bahnhof Biel hätte bis zum neuen Bahnhof Bözingenfeld ganz im Osten der Stadt verlängert werden sollen. Die Niederflurzüge wären durch moderne Trams ersetzt und der Takt erhöht worden. Trotz enormen Investitionen ging der Kanton von einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis aus.

Trotzdem hatte das Regiotram von Beginn weg einen schweren Stand. Die Linienführung war zunächst heftig umstritten. In einer ersten Variante hätten für den Bau gar Hausbesitzer enteignet werden müssen. Die Bielerinnen und 
Bieler waren aber auch grundsätzlich skeptisch. Seit 1948 verkehren in der Stadt nur noch Busse. Angesichts wachsender Vorbehalte legten die Behörden Ende 2012 dann einen Marschhalt ein und verschoben die Volksabstimmungen in Biel und Nidau um zwei Jahre.

SVP will Projekt ganz beerdigen

Nun ist das Projekt für unbestimmte Zeit vom Tisch. Ganz abschreiben wollen es die Behörden allerdings noch nicht. Als «langfristige Massnahme» soll es Teil des Regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzepts bleiben, teilt der Kanton mit. Die bisherigen Arbeiten hätten gezeigt, dass das Regiotram raumplanerisch und volkswirtschaftlich sinnvoll sei. Die Bieler SVP möchte das Projekt allerdings lieber gleich ganz beerdigen. Bereits gestern hat sie angekündigt, möglichst schnell in einer Volksabstimmung einen Grundsatzentscheid erzwingen zu wollen.

Wie auch immer: Die Verkehrsplaner müssen nun nach Alternativen für die Erschliessung der boomenden Arbeitszone im Osten der Stadt suchen. Im Vordergrund steht dabei eine Verlängerung der Buslinie 2 bis zum neuen SBB-Bahnhof Biel-Bözingenfeld. Wie allerdings die Wohngemeinden am rechten Bielerseeufer besser an die Stadt angebunden werden können, ist noch offen.

Quelle: Reto Wissmann, Der Bund

Politik, Regiotram Biel

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