Bern: Schienenfreunde schlagen neue Buslinien auf der Achse Köniz–Ostermundigen vor

Bern müsse «aus bisherigen Denkschemen ausbrechen», sagt Pro Bahn Schweiz und legt eine Ideenskizze für die möglichst schnelle Entlastung der ÖV-Linie 10 vor.

Die Karte der Initianten sieht folgende Eckdaten vor: Linie 10 – das Grundangebot: Im 6-Minuten-Takt soll die Linie 10 täglich von 05.00 Uhr früh bis 00.30 Uhr nachts geführt werden – und zwar auf der vertrauten Route Ostermundigen Rüti – Bahnhof Bern – Köniz – Schliern. Linie 15 – die Expressentlastung: Montags bis freitags soll die neue Expresslinie 15 Entlastung bringen, aber nur zu den Stosszeiten zwischen 06.00 und 08.30 Uhr, sowie 15.30 und 18.30 Uhr – im 6-Minuten-Takt. Express fährt der Bus zwischen Rosengarten und Zytglogge, zwischen Sulgenau und Weissensteinstrasse, zwischen Weissensteinstrasse und Liebefeldpark. Linie 18 – die Ergänzung: An Werktagen soll die neue Linie 18 zwischen 06.00 Uhr und 19.00 Uhr (samstags von 08.00 Uhr bis 18.00 Uhr) einen Teil des Passagieraufkommens zwischen Ostermundigen Oberfeld, Bahnhof Bern und Köniz Schloss aufnehmen. Eine der Alternativen dazu lautet, die heutige Linie 17 ab Köniz Weiermatt mit dem Ostermundiger-Ast der skizzierten Linie 18 zu kombinieren. Bild: zvg/pro-bahn.ch

Die Karte der Initianten sieht folgende Eckdaten vor:
Linie 10 – das Grundangebot: Im 6-Minuten-Takt soll die Linie 10 täglich von 05.00 Uhr früh bis 00.30 Uhr nachts geführt werden – und zwar auf der vertrauten Route Ostermundigen Rüti – Bahnhof Bern – Köniz – Schliern.
Linie 15 – die Expressentlastung: Montags bis freitags soll die neue Expresslinie 15 Entlastung bringen, aber nur zu den Stosszeiten zwischen 06.00 und 08.30 Uhr, sowie 15.30 und 18.30 Uhr – im 6-Minuten-Takt. Express fährt der Bus zwischen Rosengarten und Zytglogge, zwischen Sulgenau und Weissensteinstrasse, zwischen Weissensteinstrasse und Liebefeldpark.
Linie 18 – die Ergänzung: An Werktagen soll die neue Linie 18 zwischen 06.00 Uhr und 19.00 Uhr (samstags von 08.00 Uhr bis 18.00 Uhr) einen Teil des Passagieraufkommens zwischen Ostermundigen Oberfeld, Bahnhof Bern und Köniz Schloss aufnehmen. Eine der Alternativen dazu lautet, die heutige Linie 17 ab Köniz Weiermatt mit dem Ostermundiger-Ast der skizzierten Linie 18 zu kombinieren. Bild: zvg/pro-bahn.ch

Pro Bahn Schweiz (PBS) ist mit dem Jetzt unzufrieden. Auf jeden Fall betont PBS-Vertreter Kaspar Woker das Gegenwärtige: «Jetzt sind die Busse der Linie 10 überfüllt. Jetzt entstehen im Raum Liebefeldpark viele neue Arbeitsplätze. Also braucht es jetzt Ideen, wie die Linie 10 rasch und wirksam entlastet werden kann.» Die Organisation, die sich als Interessenvertreterin der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs versteht, verlangt also nach dem Volks-Nein zum Projekt Tram Region Bern vom 28. September 2014 mildernde Übergangskonzepte – und zwar «jetzt und nicht erst in Jahrzehnten».

Zwei Hotspots entlasten

Pro Bahn Schweiz fordert dazu auf, «aus den bisherigen Denkschemen auszubrechen». Sie präsentierte gestern, was ihr selbst bei diesem Ausbruchsversuch ein- und aufgefallen ist. Laut Woker müsse man sich für kurzfristige Verbesserungen von den Ideen «noch mehr Umsteiger am Bahnhof» und «noch mehr ÖV-Verkehr auf der Bernmobil-Hauptachse Hirschengraben–Zytglogge» verabschieden. Ebenfalls untauglich sei der Ansatz, einen immer dichteren Takt für Einzellinien anzustreben.

Routenwahl je nach Bedürfnis

Stattdessen sei der Ansatz zu prüfen, die rund 17 Millionen Passagiere, die Jahr für Jahr auf der Linie 10 reisten, auf drei autonome, unterschiedlich geführte und unterschiedlich schnelle Buslinien aufzusplitten. Nicht alle hätten den Bahnhof Bern als Ziel. Die Aufteilung auf autonome Linien ermögliche den Passagieren «eine Routenwahl je nach Bedürfnis». Nebst der Aufteilung der Linie ist die dünnere Taktfolge ein Kernelement der wokerschen Idee: Auf den neuen Linien solle in der Regel der 6-Minuten-Takt gelten. Weil die Linien in den «Haupteinzugsgebieten» auf der gleichen Achse verkehrten, entstehe aber faktisch ein stabiler 2-Minuten-Takt.

Statt konventionelle Eilkurse schlägt Pro Bahn Schweiz «Expressabschnitte» lediglich dort vor, wo eilige Busse normal verkehrende Busse überhaupt überholen können. So ist angedacht, die zur Entlastung vorgeschlagene Linie 15 auf den Abschnitten Rosengarten–Zytglog­­ge, Sulgenau–Weissensteinstrasse und Weissensteinstrasse–Liebefeldpark «express» verkehren zu lassen. Auch die auf den ersten Blick sehr lang erscheinende Route 18 werde dank einem «Expressabschnitt» vom Guisanplatz über die Tellstrasse bis Wyleregg zu einer «sehr schnellen» Verbindung, sagt Woker.

Erste Reaktionen auf die Ideenskizze von Pro Bahn sind zurückhaltend. Bernmobil liess wissen, die Machbarkeit des Vorschlags lasse sich so schnell nicht prüfen. Ausserdem liege es nicht im Verantwortlichkeitsbereich des Unternehmens, über neue Linie zu urteilen. Die Könizer Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP) monierte, auf den ersten Blick erscheine ihr der Lösungsansatz «sehr kompliziert». Parallel geführte Linien habe man in der Angebotsplanung bislang stets zu vermeiden versucht. Die Interessengemeinschaft Verkehr Köniz, die letztes Jahr das Projekt Tram Region Bern bekämpfte, findet zumindest, dass «auch dieser Vorschlag als einer unter vielen sauber geprüft und bewertet werden sollte». Die Splittung auf drei Linien ist auch ihr nicht ganz geheuer. Explizite Tramgegner, die der «Bund» am Dienstag angefragt hat, argwöhnen zudem, die Schienenfreunde schlügen nur deshalb eine «provisorische Buslösung» vor, weil sie sich langfristig ein Tram-Folgeprojekt erhofften. In diesem Punkt ist gar kein Werweissen nötig. Woker: «Im Endeffekt braucht es Schienen zwischen Schliern und Ostermundigen.» Das ändere aber nichts an der Tatsache, dass es «spätestens ab dem Jahr 2017 eine rasch umzusetzende Entlastungslösung braucht, die punkto Kosten in der Grössenordnung des heutigen Angebots liegt».

Resultate bis in einem Jahr

Was aber passiert mit Ideenskizzen wie der vorliegenden? Oder anders gefragt: Wie packt die Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) die ihr zugedachte Aufgabe an, zu einer abgestimmten Lösung für die Verkehrsachse Köniz–Ostermundigen zu kommen? Laut Laurent Reusser, Fachbereichsleiter Verkehr der RKBM, wird bereits im Frühling externen Experten der Auftrag erteilt, die verschiedenen vorliegenden Ideen zu prüfen und eine tragfähige Lösung vorzuschlagen. Das Ziel des Prüfungsauftrags ist laut Laurent Reusser klar: «Bis in einem Jahr möchten wir wissen, wie wir die wachsende Nachfrage zwischen Köniz und Ostermundigen bewältigen können.» Im Vordergrund stehe eine Verbesserung des kurz- und mittelfristigen Angebots. In einem Punkt geht Reusser mit Pro Bahn einig: Vor Entscheiden über die langfristige Verkehrszukunft brauche es noch einen längeren Meinungsfindungs- und Planungsprozess. «Längerfristig» heisst im Berner ÖV-Milieu: für die Zeit nach 2025.

Quelle: Marc Lettau, Der Bund

Bau-Technisches, Politik, Tram Region Bern, Verkehr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.