Bieler blicken auf Berner Tram

Regiotram: In Kürze stimmen die Berner über neue Tramlinien ab. Mit Blick auf das Regiotram wird der Urnengang in der Region mit Interesse verfolgt. Wann die Bieler und Nidauer abstimmen, ist offen.

Das Regiotram kommt - wenn überhaupt - zwei Jahre später als ursprünglich geplant.

In der Stadt Bern wird aktuell intensiv über ein 500-MillionenFranken-Projekt diskutiert: Es geht um die Zukunft des ÖVs in der Bundesstadt. Am 28. September stimmt die Bevölkerung von Bern, Köniz und Ostermundigen über den Kredit für das Tram Region Bern ab. Bei einem Ja werden ab 2022 die neue Tramlinie 10 und die Linienverlängerung 9 nach Kleinwabern in Betrieb genommen. In Biel ist man noch nicht so weit – das Regiotram liegt auf Eis. Dennoch beobachten Gegner und Befürworter die Abstimmung in Bern mit Interesse.

Rückschlüsse nicht möglich
Obschon die Ausgangslage in den zwei Städten verschieden sei, verfolge er die Abstimmung, sagt Biels Stadtpräsident Erich Fehr (SP). Dennoch glaube er nicht, dass das Resultat aus Bern einen wesentlichen Einfluss auf die anstehenden Abstimmungen in Nidau und Biel haben werde. «Rückschlüsse sind nicht möglich», sagt er.

Auch auf Seiten der Gegnerschaft beobachtet man die Berner Abstimmung ganz genau. Doch selbst wenn dort die Bevölkerung Ja sagen sollte, wollen die Bieler Gegner nichts an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Regiotram ändern. Dazu SVP-Stadträtin Sandra Schneider: Während in Bern bereits ein Tram existiere, müsse man in Biel eine komplett neue Linie durch die Stadt bauen. «Bei uns stellt sich daher die generelle Frage nach dem Nutzen eines Trams viel stärker als in Bern.»

Ablehnend stehe sie beiden Projekten gegenüber, so Schneider weiter. «Wir sind der Meinung, dass es bessere Alternativen zum Tram gibt.» Darum ist das Nein-Komitee ständig aktiv: Es betreibt eine Facebookseite und pflegt Kontakte zu Politikern aus diversen Parteien. «Sobald klar wird, wann die Bieler und Nidauer über das Regiotram abstimmen können, werden wir mit Standaktionen präsent sein und für ein Nein an der Urne werben», sagt die junge Stadträtin.

Doch wann ist es so weit? Die Urnengänge zur Finanzierung des Regiotrams wurden diverse Male verschoben, zuerst um zwei Jahre auf 2014, später auf das Jahr 2015. Der Termin im Frühjahr 2015 könne nicht eingehalten werden, sagt Fehr. Er rechne mit einem «deutlich» späteren Datum. Noch gebe es zu viele Unbekannten, noch müsse vieles abgeklärt werden, betont er.

Planungen laufen bereits
Obschon die Bevölkerung bisher nicht über das Regiotram abstimmen konnte, wird das Projekt bei aktuellen Bauvorhaben berücksichtigt und in die Planungen und Ausführungen einbezogen. So wurde die neue SBB-Haltestelle im Bözingenfeld so gebaut, dass sie als Endstation des Regiotrams ohne Konflikte realisiert werden kann. Oder bei der Sanierung der Eisfeldstrasse werden die Stromund Gasleitungen mit Blick auf das Regiotram aktuell unter den Gehweg verlegt – denn eine mögliche Tramtrasse müsste leitungsfrei sein. Auch bei der Umgestaltung des Bahnhofplatzes soll das Regiotram berücksichtigt werden.

Dass es bei letzterem Punkt einen Austausch zwischen den betroffenen Stellen gegeben habe, bestätigt Christian Aebi, Projektleiter Regiotram im Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons Bern. Momentan laufen weitere Abklärungen. Man müsse langfristig planen, sagt auch Biels Stadtplaner François Kuonen. «Wenn wir beispielsweise eine neue Kanalisation bauen, planen wir 50 bis 80 Jahre in die Zukunft.» Da müsse man alle Variablen einberechnen. Und darum schaffe man schon jetzt genügend Platz für ein mögliches Tram. Kuonen und Aebi betonen indes, dass dies meistens ohne grosse zusätzliche Kosten realisiert werden könne.

Quelle: Fabian Maienfisch, Bieler Tagblatt

Politik, Regiotram Biel

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